Achtzehner-Gebet, ein Gebet aus 18 Segenssprüchen, das seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. zusammen mit dem "Höre, Israel" zum Synagogengottesdienst gehört und von jedem Juden dreimal täglich gebetet wurde.
Ai, Ruinenhügel bei Bet-El. Ausgrabungen haben ergeben, dass sich hier im 3. Jahrtausend v. Chr. eine Stadt befand, die jedoch schon um 2000 v. Chr. zerstört wurde. Mehr als 1000 Jahre später wurde in israelitischer Zeit eine neue Siedlung angelegt.
Altar (lateinisch: "Erhöhung", "Opferstätte"). In der griechischen Welt war der Altar nicht an einen Tempel gebunden; er konnte auch in der freien Landschaft stehen. Die frühchristliche Hauskirche kannte keinen A., sondern den gemeinsamen Tisch (lateinisch: mensa), um den sich alle Anwesenden versammelten.
Altes Testament, der älteste Teil der Bibel. Das Wort "Testament" lässt sich mit "Bund" wiedergeben und meint den Bund Gottes mit dem Volk Israel, der weiterhin gilt. Darum sagen viele statt AT auch "Erstes Testament" oder sprechen einfach von der "Jüdischen Bibel". Der Name "Neues Testament" gilt für den zweiten Teil der christlichen Bibel (siehe S. 38f.)
Amiens, Stadt in Nordfrankreich.
Amphitheater (von griechisch amphi, "um-herum"), eine Arena, die rundum von Zuschauern umgeben ist. Das Spielfeld war unterkellert mit Räumen für Gladiatoren (siehe S. 95) und Tiere. Die tödlichen Tierhetzen (siehe S. 106) lockten das Volk von weit her an. Trotz des Christentums fand die letzte Tierhetze erst im Jahre 523 statt. - Die Stierkämpfe in Spanien und Südfrankreich sind immer noch ein Nachhall dieser grausamen "Spiele".
Antiochia, Hauptstadt der römischen Provinz Syrien, um 300 v. Chr. von König Seleukos I. erbaut und nach seinem Vater Antiochus benannt. Hier gab es grosse jüdische Synagogengemeinden, darum sammelten sich in ihrem Umfeld auch Jesusjünger, die bald die Aufmerksamkeit heidnischer Mitbürger fanden.
Antisemitismus, Bezeichnung für alle Formen der Judenfeindschaft. Besonders stark ist der A. in christlichen Völkern hervorgetreten. Seinen furchtbaren Höhepunkt erreichte er unter Hitler im Nationalsozialismus mit der Ermordung von etwa 6 Millionen europäischen Juden. Nach 1945 ist der A. als Vorurteil nicht wirklich überwunden, wie immer noch neue Ausschreitungen in Deutschland zeigen.
Apostelgeschichte, das vom Verfasser des Lukasevangeliums geschriebene Buch, in dem die Zeit der christlichen Anfänge um Petrus und Paulus geschildert wird.
Aramäisch, in den letzten Jahrhunderten v. Chr. die allgemeine Umgangssprache in Palästina. Sie hatte sich in Persien als Reichssprache entwickelt und auch in den unterworfenen persischen Provinzen verbreitet.
Arisch, Arier, im Nationalsozialismus wurde der Begriff für Angehörige der "nordischen Rasse" oder noch allgemeiner für "Nichtjuden" verwendet.
Atheist (sprich: Athe-ist, griechisch: atheos, "ohne Gott"), jemand, der nicht an Gott glaubt.
Bar mizwa, hebräisch "Sohn des Gesetzes", Bat mizwa, "Tochter der Pflicht", die mit der Religionsmündigkeit des jungen Menschen verbundene Feier. Der Bar mizwa wird bei der Toravorlesung in der Synagoge aufgerufen und liest zum ersten Mal vor der Gemeinde vor. Zu diesem Anlass erlernt er auch das Anliegen der -> Tefillin.
Barnabas, vermutlich ein in Jerusalem wohnhaft gewordener Jude aus Zypern (Apg 4,36).
Beschneidung, Entfernung der Vorhaut des männlichen Gliedes. Die B. gilt als Bundeszeichen zwischen Gott und Abraham und dessen Nachkommen. Sie wird bei einem jüdischen Jungen am achten Tag nach seiner Geburt vollzogen. Sie ist mit der Namensgebung verbunden. Für Mädchen gibt es keinen gleichwertigen Brauch. - Die B. findet sich im Altertum auch bei Ägyptern und anderen Völkern, er kommt heute noch bei Arabern vor.
Bet-El (hebräisch "Haus Gottes"), altes Heiligtum 17 km nördlich von Jerusalem. Die Geschichte des Ortes reicht bis in die Steinzeit zurück.
Bischof, aus dem Griechischen abgeleitetes Lehnwort. Ursprünglich war damit ein Verwaltungs- und Aufsichtsamt in heidenchristlichen Gemeinden gemeint.
Bischofswahl, ursprünglich ein vom Volk ausgeübtes Recht. Später wählte ein besonderes Gremium den Ortsbischof, wie dies heute nur noch in Basel und St. Gallen dem dortigen Domkapitel zukommt. Im Mittelalter haben oft Könige und Kaiser Bischöfe nach eigenen Interessen ernannt. Heute liegt dieses Recht alleine beim Papst.
Blutgerichtsbarkeit, das Recht, Todesurteile fällen zu dürfen.
Brotbrechen, älteste Bezeichnung für das gemeinsam gefeierte Mahl zum Gedächtnis Jesu (Apg 2,42.46; 20,7.11; 1 Kor 10,16).
Chorgebet, das Stundengebet der Mönche. Das Stundengebet ist aus dem Gebetsgottesdienst der frühen Christengemeinden erwachsen, wurzelt aber in jüdischer Tradition und Frömmigkeit. Ihm liegt die griechisch-römische Zeiteinteilung zugrunde: Matutin (Mette), die frühe Morgenstunde; Laudes (Gotteslob am Morgen); Prim (prima hora) zur 1. Tagesstunde; Terz (tertia hora) zur 3. Stunde; Sext (sexta hora) Mittagsgebet, zur 6. Stunde; Non (nona hora), Nachmittagsgebet, zur 9. Stunde; Vesper (vespera = Abend) das Abendgebet; Komplet (Vollendung), Schlussgebet.
Christus (griechisch: Christos), der "Gesalbte", -> Messias, S. 88.
Decius, römischer Kaiser (249-251), geb. zwischen 190 und 200; überzeugter Erneuerer der altrömischen Tradition. D. forderte das Kaiseropfer unter Androhung von Gefängnis, Vermögenseinzug und Hinrichtung. Damit löste er die erste grosse Christenverfolgung im gesamten Römischen Reich aus.
Dekalog, die "Zehn Gebote".
Diokletian, römischer Kaiser (284-305), geb. um 240; gest. 316. Er schuf das neue System der Viererherrschaft (-> Mitkaiser). D. organisierte die Verwaltung des Staates neu, baute die Bürokratie weiter aus und erneuerte das Finanzwesen. Grossen Wert legte er auf das Hofzeremoniell mit göttlichen Verehrungsformen. In seiner späten Regierungszeit betrachtete D. die Christen als eine Gefährdung der Reichseinheit. Ihre Gottesdienste wurden verboten, entsprechende Räume niedergerissen, das Gemeindevermögen beschlagnahmt und ihre Schriften verbrannt. Dem Bildnis des Kaisers musste als dem eines Gottes geopfert werden, auf Verweigerung standen Folter, Zwangsarbeit und Hinrichtung.
Eucharistie (griechisch: "Danksagung"), Bezeichnung für die Feier des "Abendmahls" oder "Herrenmahls" in der christlichen Gemeinde.
Evangelium (griechisch: "gute Botschaft", "frohe Kunde"). Im Römischen Reich hiess E. die Botschaft von der Geburt, dem Amtsantritt oder einem Erlass des Kaisers. Im Neuen Testament wird das Wirken Jesu in der Formulierung zusammengefasst: "Er verkündete das Evangelium". Die vier Bücher, welche die Worte und Taten Jesu überliefern, heissen ebenso E. Diese Buchbezeichnung wird Mk 1,1 eingeführt.
Forum, Marktplatz oder Gerichtsstätte.
Galerius, römischer (Mit-)Kaiser (305-311), geb. um 250; zuständig für den östlichen Reichsteil. Zunächst verfolgte G. die Christen heftig; auf seinem Sterbebett erliess er ein Duldungsschreiben (Toleranzedikt).
Gallien, das von den Galliern oder Kelten bewohnte Land. In einer Reihe von Kriegen sicherte Caesar 58-51 v. Chr. die Vorherrschaft Roms in G., dem heutigen Frankreich.
Geta, Mitglied der kaiserlichen Familie als Sohn des Kaisers Septimus Severus und Bruder von Kaiser Caracalla, 189 geboren, erhielt er 198 eigene kaiserliche Würden. In den Jahren 203/204 hielt sich die kaiserliche Familie in Karthago auf. Zu ihren Ehren fanden die "Festspiele" statt, denen Perpetua und ihre Gefährten zum Opfer fielen.
Getto, ein streng abgeschlossenes Stadtviertel, in dem die Juden wohnen mussten. Das erste G. entstand 1516 in Venedig, danach in vielen europäischen Städten, in Deutschland oft als abgeriegelte "Judengasse" organisiert (Augsburg, Frankfurt a.M., Köln, Nürnberg, Worms; auch in Wien und Prag). Ein G. war durch Tore begrenzt, die morgens geöffnet, nach Sonnenuntergang geschlossen wurden. Ein G. musste ausserhalb des Blickfeldes von Kirchen liegen. An christlichen Feiertagen blieb es geschlossen.
Gladiatorenkampf (von lateinisch gladium, "Schwert"), römische Kampfspiele auf Leben und Tod. Dazu wurden verurteilte Todeskandidaten eingesetzt, aber auch Kriegsgefangene, Sklaven und Freiwillige. Das Publikum reagierte mit Gejohle, Pfiffen und brutalen Zurufen. Es entschied meistens auch über den letzten Todesstoss. -> Amphitheater; -> Tierhetzen, S. 105f.
Griechen, im Neuen Testament oft Sammelbezeichnung 1. für Juden, die in der Diaspora der griechisch-römischen Welt leben; 2. für Heidenchristen.
Grosser Geist, häufige Gottesbezeichnung der Indianer. "Der Grosse Geist ist einer und gleichzeitig viele", erklärt ein Medizinmann der Sioux. -> Wakan Tanka
Haran, Stadt in Mesopotamien, von der aus Abraham nach Kanaan aufbricht.
Hebräisch, Sprache der Jüdischen Bibel. Als lebende Sprache wurde das H. seit der Perserherrschaft (etwa ab 500 v. Chr.) vom -> Aramäischen abgelöst. Die Gründung des heutigen Staates Israel hat die hebräische Sprache neu belebt und unserer Zeit angepasst. Dieses Neu-H. wird Iwrit genannt.
Heidenchristen, Mitglieder der frühen Gemeinden, die nicht jüdischer sondern heidnischer Herkunft waren. Paulus setzte sich für die Zugehörigkeit dieser Nichtjuden entschieden ein. Weil er von ihnen weder Beschneidung noch Befolgung der Tora verlangte, empörten sich darüber viele Judenchristen.
Hilarius, geb. um 315 in Gallien, stammte aus vornehmer heidnischer Familie, Bischof von Poitiers. Von Kaiser Konstantion nach Kleinasien verbannt, schrieb er dort eine Streitschrift gegen dessen Nachfolger Konstantius II. Darin heisst es: Die Zeit zum Schweigen ist vorbei ... In unseren Tagen geht der Kampf gegen einen schlauen Verfolger, einen schmeichelnden Feind: gegen Konstantius, den Antichrist! Der bricht uns nicht das Rückgrat, sondern liebkost uns ... Er zerfleischt nicht die Rippen, sondern stiehlt sich die Herzen. Er köpft uns nicht mit dem Schwert, sondern mordet mit Gold die Seele... Er schmeichelt, um Herr zu bleiben. Konstantius! Das Geld, das Ihr den Heidentempeln genommen habt, mit Steuerschraube und Strafgebühren eintreibt, werft Ihr nun Gott vor die Füsse.
Höre, Israel (hebräisch: Sch’ma Jisrael) nach Dtn 6,4 ist ein Glaubensbekenntnis, Hauptgebet am Morgen und am Abend. Es wird beim Ausheben der Tora am Sabbat und an Festtagen gesprochen und oft als letztes Gebet vor dem Tod.
initium, lateinisch "Anfang", "Beginn". Angang eines Weges, eines Tages, eines Buches ... Davon leiten sich ab: Initiale, "Anfangsbuchstabe", Initiative, "der erste Schritt zu einer Handlung".
Jakobus, der Bruder Jesu (siehe S. 60), gehörte mit Petrus und Johannes zu den "Säulen" der Jerusalemer Gemeinde. Als toragehorsamer Judenchrist nannte er die Bedingungen, welche die Heidenchristen befolgen sollten, um die Gemeinschaft mit Judenchristen nicht zu gefährden (Apg 15,13-20).
Jiddisch, eine von Juden gesprochene Sprache, die ihren Ursprung im mittelalterlichen Deutsch hat. Infolge der Ausrottung des Ostjudentums durch die Nazis ist das Überleben des J.en bedroht.
Jiddische Worte, die im Deutschen eingebürgert sind: Kitel (Hemd); mies (hässlich); Moos (Geld); Pleite; schofel (gemein).
Judenchristen, jüdische Anhänger der Jesus-Bewegung. Ursprünglich waren dies nur Männer und Frauen aus Galiläa und Judäa. Nach dem Tode Jesu kamen Juden aus der Diaspora, den Ländern der griechisch-römischen Welt hinzu.
Jüdischer Gottesdienst ist nicht an geweihte Orte gebunden. Deshalb kann notfalls jeder beliebige Raum als Synagoge dienen. Er erhält seine Weihe durch den Gottesdienst, zu dem sich mindestens zehn Männer einfinden müssen (minjan). Dieser Gottesdienst besteht vorwiegend aus Gebet, Schriftlesung und Belehrung. In ältester Zeit gehörte zur Einrichtung einer Synagoge nur ein Tora-Schrein zur Aufbewahrung der Schriftrollen. Ein geschmückter Vorhang verdeckt die Türen der Lade. Die Tora wird von Tora-Schreibern mit besonderer Tinte auf Pergament geschrieben. Beschädigte oder abgenutze Tora-Rollen werden weiter aufbewahrt oder nach jüdischem Brauch beerdigt. In jeder Synagoge befindet sich an der Ostwand, Jerusalem zugewandt, die heilige Lade mit den Torarollen. Ein bestickter Umhang umhüllt sie und oben schmückt sie eine Krone. Wenn die Torarollen aus der Lade - man kann sie auch Schrein oder Tabernakel nennen - "ausgehoben" werden, erhebt sich die Gemeinde, bis die Rollen zum Lesepult (bima) gebracht sind. Torarollen wiegen schwer; ihre hebräischen Texte sind nicht gedruckt, sondern von Hand auf Pergament geschrieben. Jüdische Kinder lernen immer noch Hebräisch, um die Bibel im Original lesen zu können.
Jünger, in der Bibel durchweg die Schüler und Schülerinnen eines religiösen Lehrers oder Propheten.
Kaddisch-Gebet, Abschlussgebet der drei täglichen Gebetszeiten, auch Gebet für Trauernde. Der Anfang "Verherrlicht und geheiligt werde sein grosser Name" ist eng mit der ersten Vaterunser-Bitte verbunden.
Kanaan, biblischer Name für -> Palästina, das Land Israel.
Karawane, Reisegesellschaft, die mit Kamelen im Wüstengebiet unterwegs ist.
Karthago, Stadt an der Nordküste Afrikas im Golf von Tunis. Ursprünglich Hauptstadt des Reiches der Karthager, von den Römern 202 v. Chr. besiegt und 146 dem Erdboden gleichgemacht. Das neu errichtete Karthago wurde römische Provinzhauptstadt. Nach dem 3. Jahrhundert wurde K. ein Zentrum des Christentums, bis es die Araber 697 erneut zerstörten.
Kirche (griechisch: kyriake), heisst ursprünglich "dem Herrn gehörig" und meint die versammelte Gemeinde. Erst später wurde dieser Name auf den Raum übertragen, in dem sich die Gemeinde trifft.
Klerus. Im Laufe des 1. Jahrhunderts bildeten sich in den christlichen Gemeinden Ämter heraus, die allmählich einer zentralen Leitung unterstellt wurden. Die Amtsträger entwickelten als "Kleriker" bzw. Geistliche eine eigene Körperschaft gegenüber den "Laien" oder dem Kirchenvolk.
Konstantin I., der Grosse, römischer Kaiser (306-337), geboren um 280. Seit seinem Sieg über den Mitkaiser Maxentius war K. Herrscher über den Westen des Reiches. 313 erklärte er das Christentum zur religio licita, einer "anerkannten Religion". Nachdem er 324 Alleinherrscher geworden war, erhob er das Christentum zur offiziellen Religion, duldete aber die alten Religionen weiter. Er berief das erste Kirchenkonzil 325 nach Nicäa ein und ernannte sich selbst zum Vorsitzenden, obwohl er noch nicht Christ geworden war. Wahrscheinlich hielt K. Christus für den mächtigsten Sonnengott. Den wirklichen Jesus von Nazaret und dessen Botschaft hat er wohl kaum verstanden. Erst den Tod vor Augen liess K. sich taufen.
Konvent, die Gemeinschaft der Mitglieder eines Klosters.
Koscher (hebräisch: "passend", "tauglich"). Die jüdischen Speisegesetze unterscheiden "reine" und "unreine" Tiere. Nur reine Tiere sind zu essen erlaubt und müssen (ausser Fisch) "koscher" geschlachtet werden. Das Tier wird mit dem Kopf nach unten gehängt, damit das Blut, dessen Verzehr verboten ist, ausläuft. - Auch der Islam verlangt ein solches Schlachten ("Schächten") der Tiere.
Lernen. Das Lernen ist religiöse Pflicht, die nicht allein den Gelehrten gilt. Das lebenslange Studium "hat dem Judentum in den Jahrtausenden des Elends jene Ruhe, und Festigkeit gegeben, ohne die es den Verfolgungen nicht hätte standhalten können" (Hermann Cohen).
Mars, römischer Kriegsgott, nach dem auch der März als ursprünglich erster Monat des Jahres benannt worden ist.
Mauretanien, islamische Republik in Westafrika, überwiegend Wüste.
Mazzen, ungesäuertes, sehr dünnes Fladenbrot, das am Sederabend an den Auszug aus Ägypten erinnert. Der Aufbruch erfolgte in solcher Hast, dass man das Brot nichts anders backen konnte.
Medizinmann, ein unglücklich gewählter Ausdruck für einen Seher, der durch seine Naturnähe die Zusammenhänge der Schöpfung zu verstehen sucht, um Ratschläge für Krankheiten und Notfälle geben zu können. M.er sind Grenzgänger zwischen Tag und Traum, Diesseits und Jenseits, Können und Beschwörung. Je nach Kultur und Volk zeigt sich ihr Verständnis immer wieder anders.
Menora, der siebenarmige Leuchter des Tempels in Jerusalem, der nach der Eroberung der Stadt im Jahre 70 n. Chr. als Siegesbeute nach Rom gebracht wurde. Als symbolischer Lebens- und Lichterbaum wurde die M. in späterer Zeit immer neu verwendet. Seit 1948 ist die M. offizielles Symbol des Staates Israel.
Messias (hebräisch: "der Gesalbte"), zunächst Bezeichnung für den König, der durch seine Salbung zum "Sohn Gottes" erhoben wurde und Gottes Herrschaft auf Erden vertritt. Später erwartete man unter diesem Titel einen Menschen, der Israel von aller Knechtschaft und Fremdherrschaft befreien würde. Jesus selbst hat sich nicht M. genannt, aber seine Anhänger haben ihn als ihren Befreier gesehen und darum "Messias", griechisch "Christos", genannt.
Metapher, aus griechisch meta = über und pherein = tragen, also eine "Übertragung". Gemeint ist eine sprachliche Übertragung, zum Beispiel wenn wir von einem Stuhlbein, einem Lampenfuss, der Baumkrone, dem Bergsattel oder dem Windschatten sprechen. Jedes Mal wird ein Begriff in "übertragener" (metaphorischer) Bedeutung benutzt.
Mitkaiser. Um das gewaltige Römische Reich besser verwalten zu können, teilte es Kaiser -> Diokletian in vier Regionen ein, die von Mitkaisern regiert werden sollten: der Osten aus Nikomedia; Italien und Africa aus Mailand; Griechenland, Mazedonien und Illyrien aus Sirmium; Spanien, Gallien und Britannien von Trier und York aus. Diese Regelung hat sich jedoch nicht lange bewährt.
Mütter- und Vätergeschichten: In ihren Anfängen waren die Mütter- und Vätergeschichten in getrennten Stämmen zuhause. Sie gehörten zu unterschiedlichen Landschaften. Noch gab es kein "Israel", das sie hätte zusammenführen, noch keine Schrift, die sie hätte vereinen können. Die Abraham-Sara-Geschichten kommen aus dem Umland von Hebron und Beerscheba. Die Jakobssagen stammen aus dem Ostjordanland. Die Isaakerzählungen kreisen um Brunnengrabung und Brunnenstreit; sie blieben nur in kleiner Zahl erhalten (Gen 26). Die Überlieferungen sind also von unterschiedlicher Herkunft. Die um Hebron lebenden Hirten nannten Abraham ihren Stammvater; die im Raum Sichem wandernden Sippen erzählten Jakob-Geschichten. Wieder andere, die tief im Süden des Negev umherzogen, sahen sich als Nachkommen Isaaks. Später fanden diese Gruppen Kontakt zueinander. Sie schlossen Bündnisse und erkannten sich als "Verwandte". Dadurch wurden auch die Stammeltern zu "Verwandten". Man ordnete sie in eine Linie ein, so dass nun von Isaak als dem Sohn Abrahams erzählt wurde und von Jakob als Isaaks und Rebekkas Sohn.
Nazaret, kleines Dorf in Südgaliläa, nur 5 km von der damaligen, griechisch sprechenden Verwaltungshauptstadt Sepphoris entfernt. N. wurde erst als Heimatort Jesu bekannt.
Negev (hebräisch "Süden"), Wüstengegend im Süden des Landes Kanaan/Palästina. Hauptort ist seit alters Beerscheba.
Nero, römischer Kaiser 54-68 n. Chr., geb. 37. Er liess seine Mutter (59 n. Chr.) und seine erste Frau Octavia (62 n. Chr.) ermorden. Seine Lehrer Seneca und Lucan zwang er zum Selbstmord. Der durchaus begabte N. versuchte sich in Musik, Dichtung, Malerei und Bildhauerei; im Zirkus trat er als Sänger und Wagenlenker auf. Den Verdacht, den Brand Roms im Jahre 64 selbst gelegt zu haben, wälzte N. auf die Christen ab. Er endete durch Selbstmord.
Nomaden, umherziehende Hirtenvölker, die je nach Jahreszeit ihr Weideland wechseln.
Orakeleiche, Baumheiligtum, dessen Geräusche im Wind als Weisung Gottes gedeutet wurden.
Palästina, ursprünglich Philistäa, Name für das Land der Philister, die aus dem Mittelmeerraum kommend an der Küste -> Kanaans ansässig geworden waren.
Pharisäer, jüdische Religionsrichtung, deren Anhänger ihren Glauben ernst nahmen und die Tora treu befolgen wollten. Nach dem Fall Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. wurden die Ph. die wichtigste Kraft für das Überleben des Judentums.
Plinius (61/62-um 113), römischer Beamter aus reicher Familie, um 112 kaiserlicher Statthalter in Bithynien. Seine Briefe lassen ihn als einen gebildeten und liebenswerten Menschen erscheinen, der auch Sklaven seine Menschlichkeit tatkräftig bewies. Mit Kaiser Trajan pflegte P. einen umfangreichen Briefwechsel.
Poitiers, Stadt in Westfrankreich.
principium, lateinisch "Anfang", "Ursprung", "Grund". Davon ist abgeleitet: Prinzip, "Grundsatz, "Richtschnur".
Provinz, vor allem die unterworfenen römischen Herrschaftsgebiete ausserhalb Italiens. Die Abgaben der P.en waren die Haupteinnahmequelle des römischen Staates. Deren Eintreibung lag in den Händen von Pächtern oder Pachtgesellschaften. Unter ihren Erpressungsmethoden hatte die Bevölkerung sehr zu leiden.
Psalter, das Buch der Psalmen; hier das lateinische Textbuch der Psalmen für den Gebrauch beim Chorgebet der Mönche.
Rabbiner, jüdischer Gemeindeleiter mit den Aufgaben des Lehrers, Richters und Predigers.
Römer. Das Verhältnis zwischen der römischen Macht und den Juden war gespannt. Zwar regelte der Hohe Rat die innerjüdischen Belange unter dem Vorsitz des Hohenpriesters. Dennoch gab es stets Konflikte zwischen römischen Herrschaftsansprüchen und jüdischen Vorstellungen der Gottesherrschaft. Ab 66 n. Chr. flackerten im ganzen Land Unruhen auf. Ein erster Siegestaumel zog auch die Gemässigten (Pharisäer und Sadduzäer) in den Krieg gegen Rom. Die römischen Truppen standen unter dem Oberbefehl von Vespasian. Als dieser im Jahr 69 Kaiser wurde, führte sein Sohn Titus den Feldzug zu Ende. Im Jahre 70 eroberte er das heiss verteidigte Jerusalem und den Tempel. Der Tempel wurde zerstört. Nachdem der Jüdische Krieg gewonnen war, bauten die Römer Jerusalem neu auf und nannten die Stadt Aelia Capitolina. Das Betreten der Stadt wurde Juden bei Todesstrafe verboten.
Samariter, Samaritaner, Angehörige einer jüdischen Religion, die sich von Jerusalem abgespalten hatte. Sie lebten im Land zwischen Galiläa und Judäa. Als die Judäer sich im 3. Jh. v. Chr. gegen die griechische Fremdherrschaft empörten, schlossen sich die S. nicht an. Die Juden verachteten die S. Umgekehrt wollten die S., nachdem Judäer ihr zentrales Heiligtum zerstört hatten, keine Gemeinsamkeit mehr mit dem Judentum. - Bis heute hat sich eine kleine S.-Gemeinschaft erhalten. Sie gilt im Staat Israel als Teil des jüdischen Volkes.
Saulus, geboren in -> Tarsus, wahrscheinlich einige Jahre nach Jesus. Aus einer streng jüdischen Familie stammend, sprach und schrieb er ein gutes Griechisch. Aus seinem biblischen Namen Saul wurde im Griechischen und Lateinischen ein Paulus. In der Familie wird er dennoch Saul genannt worden sein; der Öffentlichkeit stellte er sich als Paulus vor. Von früh auf erhielt S. eine solide pharisäische Bildung. Anfangs war er ein harter Gegner der Jüngergemeinde zu Jerusalem, vermutlich weil er hier schon erste Kontakte zu Nichtjuden wahrnahm. Nachdem er sich der Jesus-Bewegung angeschlossen hatte, traf er sich drei Jahre später mit Petrus, blieb aber nur kurz in Jerusalem und kehrte in seine Heimatstadt zurück. Von dort holte ihn Barnabas nach Antiochia.
Savoyen, Landschaft in den französischen Alpen.
Schabbes, jiddischer Name für Sabbat.
Sedermahl, das Familienmahl am Abend des Pessachfestes. Auf dem Seder-Tisch liegen drei Mazzen, ein gekochtes Ei, ein gebratener Knochen mit wenig Fleisch; hinzu kommen Salzwasser, Bitterkräuter und süsser Brei. Es werden vier Becher Wein getrunken; ein weiterer Becher Wein, der "Elija-Becher" weist auf die noch erwartete Erlösung durch den Messias hin.
Senator, Mitglied des Senats (lateinisch: "Rat der Alten"), im alten Rom der Staatsrat, bei dem die wichtigsten Entscheidungen lagen. In der Kaiserzeit verlor der Senat an Bedeutung.
Shoa (hebräisch: "Zerstörung/Katastrophe"), der systematische Völkermord an etwa zwei Drittel der jüdischen und jüdischstämmigen Bevölkerung Europas.
Sichem, Stadt an der Handelsstrasse, die von Jerusalem nach Norden führte mit altem Tempel und Baumheiligtum.
Sulpicius Severus, christlicher Geschichtsschreiber um 363-420, der nach einem Besuch bei Martin von Tours dessen Lebensgeschichte um 396 aufschrieb.
Talmud (hebräisch "Lehre"), umfangreiche Sammlung von Auslegungen der Tora aus mehreren Jahrhunderten.
Tarsus, Hauptstadt der römischen Provinz Kilikien, im südlichen Kleinasien, in der Nähe der Mittelmeerküste gelegen auf dem Gebiet der heutigen Türkei.
Tefillin, Gebetsriemen mit zwei schwarzen Lederkapseln. Die Kapseln enthalten die Bibelworte Ex 13,1-10. 11-16; Dtn 6,4-9 und 11,13-21. Die T. werden am linken Arm, dem Herz gegenüber, und an der Stirn getragen.
Tierhetzen. Für dieses Schauspiel wählte man verurteilte Verbrecher, Kriegsgefangene sowie Christen, die sich staatlichen Ansprüchen entzogen. Kaiser Konstantin wurde dafür gerühmt, dass er Kriegsgefangene den wilden Tieren vorgeworfen und ihren Tod zum Vergnügen des Volkes genutzt habe. Die Tiere für diese Veranstaltungen lieferten die Statthalter aus den zahlreichen Provinzen. Aber auch in den Provinzen überstieg die Nachfrage immer das Angebot. Gewöhnlich wurden die Tiere ausgehungert, um sie dadurch aggressiver zu machen.
Tora: Im Jahr 398 v. Chr. brachte der Priester Esra eine Schrift alter Überlieferungen nach Jerusalem, die er der Gemeinde als Tora ("Gesetz", "Weisung") vorstellte. Diese Schrift war während des Babylonischen Exils (586-536/21) bearbeitet worden. Sie erhielt später den Namen "Die fünf Bücher Mose", weil im Mittelpunkt die durch Mose verkündete Weisung vom Sinai steht. Man bezeichnet diese "Fünf Bücher" auch als Pentateuch, von griechisch pente = fünf und teuchos = Gefäss. Im Altertum schrieb man nicht in Bücher, sondern auf "Rollen" (siehe S. 179). Da eine einzige Schriftrolle für die Tora zu schwer und unhandlich wäre, teilte man sie in fünf Rollen auf. Die so entstandenen Teile des Pentateuch heissen 1. Genesis, 2. Exodus, 3. Levitikus, 4. Numeri, 5. Deuteronomium.
Trajan, römischer Kaiser 98-117; geb. 53; zu seiner Zeit fand das Römische Reich die weiteste Ausdehnung.
Wakan Tanka. Wakan = "heilig", "göttlich" können Stein, Baum und Tier genannt werden. Wakan Tanka ist der in allem Geschaffenen wirkende und es zugleich umschliessende -> Grosse Geist.
wohlfeil, billig, preiswert; hier: gedankenlos ...
Zeitrechnung. Im alten Ägypten und in Babylonien erhielt jedes Jahr einen Namen; diese Namen wurden in besondere Listen eingetragen. - Später zählte man nach den Regierungsjahren der Könige. Die römische Zeitrechnung beginnt mit der Gründung der Stadt Rom. Die christliche Zeitrechnung "vor oder nach Christi Geburt" wurde erst eingeführt, als die Welt christlich geworden war. Der Abt Dionysius Exiguus stellte im Jahr 525 dafür die aufwendige Berechnung an. Die spätere Forschung korrigierte seine Annahmen. Demnach wurde Jesus ca. 6 Jahre vor dem angenommenen Datum geboren.
Zimmermann. In der Bibel ein Handwerker, der mit Holz umgeht. Seine Arbeit ist nicht mit der des heutigen Zimmermanns zu verwechseln.